Das Projekt

Viele junge Menschen nutzen mittlerweile ein Jahr Freiwilligendienst nach Beendigung der Schule als Chance, ein Stück der Welt und mehr von sich selbst kennen zu lernen. Es kann erste Kontakte mit dem Arbeitsleben ermöglichen, den Absprung von zu Hause erleichtern, neue Kontakte schenken und den Horizont erweitern. Sie lernen nicht selten Aufgaben und Arbeitsbereiche kennen, die gesellschaftlich gebraucht werden, aber wenig be- und geachtet werden. Viele Schulabgänger*innen sammeln in dieser Zeit wertvolle Erfahrungen, bevor sie sich für einen Berufsweg entscheiden.

Erfreulicherweise wird diese Möglichkeit mittlerweile vermehrt auch von jungen Menschen mit Behinderung genutzt. Einen Anteil daran können wir mit großem Stolz auch unserem Kooperationsprojekt „FÖJ für ALLE!“ zuschreiben. Gemeinsam mit der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, die der niedersächsische Träger des Freiwilligen Ökologischen Jahres ist, haben wir Ende 2021 unser Projekt „FÖJ für ALLE!“ gestartet, welches wir im Mai 2025 beendet haben. Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein ökologisches Bildungsjahr, das jungen Menschen die Chance gibt, ein Jahr lang im Umwelt- und Naturschutz mitzuarbeiten und sich zu orientieren. Das Ziel unseres Projekts war es, jungen Menschen mit Behinderung die Teilnahme an einem FÖJ zu ermöglichen und die Rahmenbedingungen dahingehend zu gestalten, dass das inklusive FÖJ für alle Beteiligten eine gewinnbringende Erfahrung wird. Wir haben insgesamt 31 junge Menschen mit Behinderung in ihrem FÖJ begleitet. Eindrücke, wie es diesen auf ihren Einsatzstellen ergangen ist, finden sich hier und hier,


Wir haben Teilnehmende mit Behinderung und ihre Angehörigen bei der Suche nach einer geeigneten FÖJ-Einsatzstelle beraten und begleitet. Gemeinsam mit der Einsatzstelle analysierten wir die Bedingungen vor Ort und berieten zu ggf. notwendigen Veränderungen oder Anpassungen. Wir unterstützten die Personensorgeberechtigten bei der Beantragung und Organisation ggf. notwendiger Assistenzleistungen. Und wir konnten dabei beobachten, wie sich die jungen Menschen und ihr Umfeld in ihrem Jahr Freiwilligendienst entwickelt haben. Für einige ergaben sich direkte Anschlussperspektiven auf ihren Einsatzstellen. Da wir insbesondere im Einsatz im landwirtschaftlichen Bereich großes Potential sehen, durften wir im Rahmen des Projekts landwirtschaftliche Betriebe als Einsatzstellen akquirieren.Landwirtschaft erfordert ausgesprochen vielfältige, abstufbare Tätigkeiten. Dies ermöglicht es die Anforderungen auf die individuellen Fähigkeitsprofile der Teilnehmer*innen anzupassen.

  • Landwirtschaft erfordert ausgesprochen vielfältige, abstufbare Tätigkeiten. Dies ermöglicht es die Anforderungen auf die individuellen Fähigkeitsprofile der Teilnehmer*innen anzupassen.
  • Die Unterschiedlichkeit der Arbeitsfelder gibt Raum eigene Fähigkeiten und Kompetenzen zu entdecken und zu entwickeln.
  • Die Tätigkeiten in der Nahrungsmittelproduktion sind unmittelbar als sinnvoll und mit Bezug auf die eigene Lebensrealität zu erleben.
  • Auch im ländlichen Raum besteht ein großes Potential, wohnortnahe Einsatzstellen zu gewinnen.
  • Es gibt viele Anknüpfungspunkte zu naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bildungsthemen im Arbeitsalltag.

Uns ist es gelungen, zehn grüne Betriebe zu gewinnen, sich für einen jungen Menschen mit Behinderung als Einsatzstelle im FÖJ anerkennen zu lassen.

Auch die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz als Träger des FÖJ in Niedersachsen wurde von uns umfassend beraten und unterstützt. Hier haben wir u.a. die Seminarteamenden für die FÖJ-Seminare geschult und auch die erste Seminarwoche teilweise vor Ort begleitet. Zu unserer großen Freude wird die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz ihre inklusiven Strukturen auch nach dem Ende unserer Kooperation verstetigen und hat für die Beratung und Begleitung der Freiwilligen mit Behinderung eine Stelle geschaffen.

Wir sagen Danke an alle Beteiligten

Unser Dank gilt allen Beteiligten:

  • den Freiwilligen und ihren Zugehörigen, die sich mutig auf den Weg gemacht haben,
  • den Einsatzstellen, die sich offen und neugierig auf eine Zusammenarbeit eingelassen haben
  • der Alfred Toepfer Akademie als verlässliche und flexible Kooperationspartnerin,
  • und nicht zuletzt der Aktion Mensch, die uns durch ihre Förderung das Projekt überhaupt erst ermöglicht hat.

Es ist uns eine Herzensangelegenheit, den (ökologischen) Freiwilligendienst für Menschen mit Behinderung noch bekannter zu machen. Daher beraten wir weiterhin Menschen mit Behinderung, die sich für einen Freiwilligendienst interessieren, Einsatzstellen, die eine*n Freiwillige*n mit Behinderung einstellen möchten oder bereits eingestellt haben, Träger von Freiwilligendiensten, die ihre Strukturen inklusiver gestalten wollen und ebenso Beratungs- und Anlaufstellen, die Menschen mit Behinderung zu Zukunfts- und Berufsperspektiven beraten. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme (link zum Kontaktformular). Um unsere fachliche Expertise und unsere Erfahrungen zu teilen, haben wir die alma Akademie mit einem breiten Angebot an Seminaren und Workshops gegründet.

FAQ

Das Kooperationsprojekt endete zum 30.04.2025. Die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz möchte ihre inklusiven Strukturen weiter verstetigen. Potentielle Freiwillige mit Beeinträchtigung können sich an Annika Salingré (05199 98917 annika.salingre@nna.niedersachsen.de) wenden und sich beraten lassen.

Junge Menschen mit und ohne Behinderung, die zwischen 15 und 25 Jahre alt sind, können ein FÖJ machen. Die Vollzeit-Schulpflicht von mindestens 9 Jahren muss erfüllt sein und eine Teilnahme an einem anderen Jugendfreiwilligendienst darf nicht für länger als 6 Monate erfolgt sein.

Weiterhin sollte ein Interesse an Themen des Umwelt- und Naturschutzes, der Landwirtschaft oder der entwicklungspolitischen Arbeit bestehen, sowie die Bereitschaft auf der Einsatzstelle im Team zusammen zu arbeiten und sich auf den begleitenden Seminaren mit anderen FÖJ-ler*innen auszutauschen.

Der Einsatz im FÖJ in Niedersachsen kann auf einer der anerkannten FÖJ-Einsatzstellen erfolgen.  Die Tätigkeiten auf den Einsatzstellen befassen sich unter anderem mit den Themen Umwelt, Tierschutz, Ökologische Landwirtschaft, Bildung und Nachhaltige Entwicklung. Aber auch ein FÖJ im Sport und an Ganztagsschulen ist möglich. In Niedersachsen gibt es mehr als 250 anerkannte Einsatzstellen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Regionen.

Eine Übersicht mit Informationen zu den jeweiligen Stellen und den dort anfallenden Tätigkeiten findet sich hier

Wer ein FÖJ außerhalb von Niedersachsen erbringen möchte, findet hier erste Informationen.

Die Bewerbung  erfolgt in Niedersachsen innerhalb der üblichen Bewerbungsfrist über die Homepage der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz. Potentielle Freiwillige mit Beeinträchtigung können sich an Annika Salingré (05199 98917 annika.salingre@nna.niedersachsen.de) wenden und sich beraten lassen.

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ): hier erfolgt der Einsatz in sozialen Arbeitsfeldern, wie Kindergärten, Schulen, Jugendzentren, Senior*innenheimen, Krankenhäusern und in Kulturbetrieben, wie Theater oder Museen. Außerdem gibt es den Bundesfreiwilligendienst(BFD): dieser findet in sozialen, kulturellen und ökologischen Einsatzstellen statt und kann auch von Menschen, die älter als 27 Jahre sind, erbracht werden.

Erfahrungsberichte

  • Erfahrungsbericht von Julian Meyer

    Erfahrungsbericht von Julian Meyer

    Wir sind uns einig, wir brauchen noch viel mehr „FÖJ für alle“ ! Ein spannendes erstes freiwilliges ökologisches Jahr geht am 31.8.2023 schon so schnell zu Ende. Julian, der über das „FÖJ für alle“ zu uns gekommen ist, hat unseren Garten zu einem Insektenparadies werden lassen. Viele bunte Blühstreifen und Stauden locken nun unendlich viele…

  • Erfahrungsbericht von Tamina Schmidt

    Erfahrungsbericht von Tamina Schmidt

    Seit diesem Jahr fördert Niedersachsen das freiwillige ökologische Jahr für Menschen mit Behinderung. Davon profitiert auch Tamina Schmidt. Sie hat das Down-Syndrom. Tamina Schmidt ist 19 Jahre alt. Das Besondere an ihr: Sie hat ein Chromosom mehr als andere Menschen. Daher lebt sie mit Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom. Sie wohnt in einer eigenen Wohnung…

Projektverlauf

Downloads zum “FÖJ für alle!”